Das Buchprojekt

Über das Schicksal von als ‚asozial‘ verfolgten Personen gibt es nur ganz wenige Selbstzeugnisse. Ziel ist, mit einem gut lesbaren Buch die Stigmatisierung und Verfolgung von Menschen als ‚asozial‘ im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern. Anhand des Lebens und des frühen Todes von Margit Lange, einer Frau aus Niederösterreich, soll dies gelingen.

Margit Lange kam im Juni 1913 auf die Welt. Sie stammte aus einer kinderreichen Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen, war verheiratet und hatte zwei voreheliche und drei eheliche Kinder. Im Jänner 1940 wurde sie wegen Diebstahls verhaftet und wenige Monate später zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der Haftstrafe überstellte sie die Kriminalpolizei ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Dort starb sie nach zweieinhalb Jahren Haft im Dezember 1943 als 30-Jährige.

Mit diesen wenigen Sätzen ließe sich Margits kurzes Leben umreißen. Doch dieser Abriss wird ihrem Schicksal nicht gerecht. Nicht ihrem Überlebenskampf in Freiheit bei widrigsten Verhältnissen, nicht ihrer Widerständigkeit gegen erlebte Ungerechtigkeit, nicht ihrem Leiden im Konzentrationslager. Er lässt auch nicht erkennen, wie typisch Margits Lebensweg für jene Frauen war, die im Nationalsozialismus als ‚Asoziale‘ stigmatisiert wurden und in die Verfolgungsmaschinerie gerieten, die sie schlussendlich in Konzentrationslager brachte – und sagt auch nichts über die Besonderheiten ihres Lebensweges aus. Dazu zählen die kurz nach Verhaftung von ihrem Ehemann angestrebte Scheidung und Margits Kampf gegen ein ungerechtes Urteil; oder der Umstand ihres Todes in Ravensbrück: ermordet durch eine Giftspritze. Und v.a. erzählt dieser kurze Lebenslauf nichts über die familiären Folgewirkungen und die so engagierte wie mühsame Suche der Enkeltochter von Margit Lange nach Informationen über ihre Großmutter. 

Das Buch Haftgrund ‚asozial‘ – Das Schicksal der Margit Lange und wie es in der Familie weiterwirkt zeichnet Margits Leben nach, fragt nach den Gründen der Verfolgung und den Nachwirkungen ihres tragischen Schicksals bei ihren Kindern,  Enkeln und Urenkeln. Die Auseinandersetzung mit diesem Familienerbe ist noch lange nicht abgeschlossen.

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